02.11.2018

Welterbe Oberes Mittelrheintal richtet sich auf die zukünftige Entwicklung aus

Nachdem vor wenigen Wochen der offizielle Startschuss zur Erarbeitung eines neuen Managementplans für die UNESCO Welterbestätte gegeben wurde, konnten sich nun die Kommunen wie die Fachöffentlichkeit in einer Auftaktveranstaltung über die ersten Bearbeitungsschritte sowie den weiteren Prozess informieren.

Das romantische Obere Mittelrheintal mit seiner einzigartigen Dichte an Burgen und Baudenkmälern und historischen Städtchen wurde im Jahr 2002 durch die UNESCO zum Welterbe anerkannt. Der UNESCO Welterbetitel vereint die herausragendsten Kultur- und Naturerbestätten der Welt und verpflichtet zum Schutz und zur Erhaltung des wertvollen Gutes und zum sensiblen Umgang mit dem Erbe der Menschheit. Neben dem Schutz und dem Erhalt gilt es jedoch die Welterbestätten lebendig zu halten und damit Entwicklungen zuzulassen, die den Bewohnern und Besuchern eine lebenswerte und liebenswerte Region bietet.

 

Um Entwicklung und Bewahrung in Einklang zu bringen, ist nach Vorgabe der UNESCO ein Managementplan zu erarbeiten, der Maßnahmen und Instrumente zum Schutz, zur Erhaltung und dem nachhaltigen Umgang mit der Stätte beschreibt. Risiken sollen analysiert und Strategien zu deren Vermeidung entwickelt werden. Da der bestehende Managementplan für das Obere Mittelrheintal aus dem Jahr 2001 den heutigen Anforderungen der UNESCO nicht mehr entspricht, wird er nun durch den Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal in enger  Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz, dem Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz sowie dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung fortgeschrieben. Dazu zählt auch eine ergänzende Kulturlandschaftsverträglichkeitsstudie, die eine Methodik zur Bewertung künftiger Entwicklungen bieten wird, um Risiken für die Welterbestätte früh erkennen zu können.

 

Mehr als 100 interessierte Personen folgten der Einladung des Zweckverbandes und informierten sich über die ersten Bearbeitungsschritte und den weiteren Prozess zur Erstellung des Managementplans.

 

Referenten aus den Welterbestätten Bamberg und der Wachau lieferten wichtige und eindrucksvolle Impulse, wie in den durch die UNESCO ausgezeichneten Stätten mit den unterschiedlichen Anforderungen umgegangen wird, beziehungsweise wie dort die Prozesse zu den Managementplänen verliefen.

 

„Hier kann man auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen und direkt in unsere anstehenden Aufgaben einfließen lassen“, freut sich Zweckverbandsvorsteher Landrat Frank Puchtler über die gut besuchte Veranstaltung.

 

Bekanntermaßen steht das Obere Mittelrheintal unter einem enormen Entwicklungsdruck. „Mit der Entscheidung zur Bundesgartenschau 2029 wurde ein wichtiges Signal für die Zukunft gesetzt. Mit dem neuen Managementplan möchten wir nun die auch die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der Bundesgartenschau legen“, betonte Innenminister Roger Lewentz.

 

Dass im Laufe des weiteren Prozesses auch das Bewusstsein für das Welterbe in der Bevölkerung und bei den Entscheidern geschärft werden soll, ist für Staatssekretär Salvatore Barbaro unabdingbar. „Wir brauchen auch weiterhin die Akzeptanz und Unterstützung in der Region für das Welterbe und den Schutz des außergewöhnlichen universellen Wertes des Oberen Mittelrheintals, damit uns eine zukunftsgerichtete Entwicklung gelingen kann“.

 

Zu den Herausforderungen zählt, dass sich das Welterbe auf zwei  Bundesländer erstreckt. „Die Erfahrung der vergangenen 16 Jahre zeigt, dass die länderübergreifende Zusammenarbeit rund um das Obere Mittelrheintal stets gut und lösungsorientiert funktioniert“, sagte Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Mathias Samson.

 

Viel wurde in der Veranstaltung vorgestellt und thematisiert, jedoch ist für den Zweckverbandsvorsteher Landrat Puchtler klar, dass der Zweckverband eine wichtige Funktion für das Welterbe spielt. „Wir vertreten als einzige Organisation alle Kommunen im Welterbegebiet, sind Sprachrohr, Motor und Kümmerer der Region und wollen gemeinsam unsere Potenziale voll ausschöpfen“.

 

Eine Vielzahl von Gesprächen wurde vorab geführt, um die Anforderungen der verschiedenen Akteure zu erfahren. Oftmals wurde der Wunsch geäußert, dass die Verwaltungsstruktur des Welterbes noch mehr regionale Aufgaben und Steuerungsfunktionen übernehmen und verstärkt Regionalentwicklung betreiben sollte. Daher wird auch die Überprüfung der vorhandenen Organisation zur Verwaltung des Welterbes ein und Möglichkeiten diese zu stärken, einen wesentlicher Bestandteil des Managementplans darstellen.

 

Die weitere inhaltliche Bearbeitung des Managementplans und der Kulturlandschaftsverträglichkeitsstudie wird durch eine Steuerungsgruppe auf Staatssekretärsebene, eine Lenkungsgruppe sowie Beiräte begleitet. Die interessierte Bevölkerung und Öffentlichkeit wird in Form einer Regionalkonferenz beteiligt.

 

Am Ende der anregenden und spannenden Diskussionen war klar: Das Obere Mittelrheintal steht vor einer Vielzahl an Herausforderungen, jedoch ist die Region mit der BUGA 2029 und dem neuen Managementplan auf dem richtigen Weg in die Zukunft.