13.10.2017

Auf den Spuren von William Turner

„Ein Märchen aus uralten Zeiten“ – Der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal interpretiert mit den „Spuren der Rheinromantik“ dieses Märchen ganz neu. Anhand berühmter Persönlichkeiten, wie aktuell Joseph Mallord William Turner, wird die romantische Geschichte des Mittelrheintals modern inszeniert.

 

Der britische Maler William Turner gilt als einer der Väter der Rheinromantik. 200 Jahre nach seiner ersten Reise an den mächtigen Strom werden die Malorte Turners durch den Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal in Zusammenarbeit mit Schumacher – Brand + Interaction Design erlebbar gemacht. Stein des Anstoßes zum Projekt gab das mittlerweile aufgelöste „Forum Mittelrhein“, dessen Grundgedanke der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal nun realisiert.

Bei der Recherche der Werke sowie Identifikation der Standorte wurde der Zweckverband von dem Künstler Dr. Armin Thommes unterstützt.

 

Insgesamt 26 Standorte zwischen Koblenz und Bingen markieren wichtige Stationen auf Turners Reise durch das Obere Mittelrheintal. Seine hier entstandenen Momentaufnahmen verarbeitete er zu meisterhaften Aquarellen, die seine Leidenschaft für die besondere Atmosphäre und die Ursprünglichkeit der Landschaft um den poetisch verklärten Strom spürbar werden lassen. Über die nun online geschaltete responsive Webseite www.turner-route.de taucht der Besucher mittels interaktivem Storytelling ein in die Welt des berühmten Malers und seiner ersten Reise an den Rhein.

 

Die Gemälde von William Turner zählen zu den wichtigsten und populärsten Kunstwerken der Rheinromantik. Der britische Maler bereiste mehrfach den Rhein. Er war fasziniert von der Erhabenheit der Natur, den Ruinen und den weinbewachsenen Hängen des Mittelrheins. Turners genaue Beobachtungsgabe und sein ungeheures Gespür für Dynamik und Lichtspiele hinterließen uns zahlreiche Aquarelle basierend auf den unzähligen Skizzen seiner ersten Rheinreise 1817. Mit fast fotografischer Präzision, aber dennoch künstlerisch überhöht und collagiert, werden Landschaften, Städte und menschliche Aktivitäten von ihm festgehalten.

 

Neben der Webseite werden in den kommenden Wochen begehbare Infotafeln rund um St. Goar und St. Goarshausen installiert, die das Angebot abrunden indem sie  Standort und Blickrichtung markieren. Die weiteren Standorte werden in den Folgejahren sukzessive umgesetzt. (Bericht folgt)

 

Mit der Erlebbarmachung der Malstandorte von Turners Rheinreise im Jahr 1817 soll die Turner‘sche Rheinromantik aus der weltweiten Museumslandschaft in die Landschaft zurückgeholt werden, die Turner damals als eindrucksvolle Kulisse diente – das Mittelrheintal. Als Ergebnis geht eine romantische Inszenierung der Geschichte des Mittelrheintals zu bedeutenden Persönlichkeiten der Rheinromantik, hier Turner, hervor.

 

„Durch die Verknüpfung von Künstler, Werk und Ort entsteht eine authentische und emotionale Vermittlung des Zeitgeschehens und seiner bis heute reichenden Wirkung“, so Frank Puchtler, Vorsteher des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal. „Das Projekt ist somit nicht nur für Kunst- und Kulturinteressierte aus aller Welt von großem Interesse, sondern es ist auch ein wesentlicher Beitrag zur Stärkung der kulturellen Identität der Region“.

 

Die Gestaltung der crossmedialen Informationsvermittlung zur William-Turner-Route wurde durch Schumacher – Brand + Interaction Design aus Darmstadt umgesetzt. „Die Agentur Schumacher aus Darmstadt hat dem Gesamtprojekt ein prägendes Erscheinungsbild gegeben und die Idee mit Leben gefüllt. Wir danken unseren Auftragnehmern für die überaus gelungene Leistung“, lobt Puchtler die Projektverantwortlichen Michael Schumacher und Andreas Strack von der Agentur.

Die Agentur Schumacher ging als Gewinner eines vom Zweckverband ausgelobten Pitches zur Entwicklung einer multimedialen Kommunikations- und Visualisierungskonzeption. Die Konzeption und Umsetzung der William-Turner-Route wurden durch LEADER gefördert.

 

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Exkurs Rheinromantik

Seit zwei Jahrtausenden stellt das Mittelrheintal einen der wichtigsten Verkehrswege für den kulturellen Austausch zwischen der Mittelmeerregion und dem Norden Europas dar. Menschen aus aller Welt haben diese Region bereist - darunter Literaten, Maler, Musiker, Dichter und Denker, die sich durch diese Landschaft haben inspirieren lassen. Die ungezähmte Natur in all ihrer natürlichen Stärke und Urwüchsigkeit -  manifestiert in schroffen Felsen, dem majestätischen Fluss, den steilen Hängen, von Ruinen gekrönt - wurde zum ästhetischen Ideal einer ganzen Epoche, der Rheinromantik. In ihren Werken hinterließen viele zahlreiche Rheinromantiker  Dokumente in Form von Briefwechseln, Reisebeschreibungen, Gemälden, Gedichten, Sagen und Gesängen, die wiederum ihre Rezipienten dazu animierten, das wilde Mittelrheintal zu bereisen – somit war das erste bedeutsame touristische Reiseziel in Deutschland geboren: das Mittelrheintal.

 

 

Exkurs Zweckverband

Mit dem Ziel, das Welterbe Oberes Mittelrheintal in seiner einzigartigen wirtschaftlichen, kulturellen, ökologischen und sozialen Qualität zu erhalten und weiterzuentwickeln, haben sich die Kommunen im Welterbegebiet zu einem Zweckverband zusammengeschlossen. Der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal hat unterschiedliche Handlungsfelder definiert, die das gemeinsame Ziel verfolgen, den besonderen Wert dieses einzigartigen Kulturraums zu erhalten und weiter zu entwickeln.  

Hierzu zählt unter anderem die Entwicklung von landschaftsgebundenen touristischen Attraktionen und Angeboten, auch aus dem Bereich Kunst und Kulturhistorie. Der Rheinromantik kommt eine zentrale Rolle für die kulturelle Identität der Region zu. Diese Epoche noch deutlicher zu inszenieren und kommunizieren, ist eine zentrale Aufgabe für die touristischen Akteure im Mittelrheintal.

 

 

Exkurs Turner

Der Brite Josef Mallord William Turner war einer der bedeutendsten Landschaftsmaler und Aquarellisten seiner Zeit. Am 23. April 1775 kommt William Turner in London zur Welt, wo er in bescheidenen Verhältnissen aufwächst. Schon sehr früh entdeckt sein Vater – ein Barbier und Perückenmacher – Williams künstlerisches Potenzial und ermöglicht erste Ausstellungen in seinem Frisörsalon. Sein junges Talent verschafft ihm Zugang zu der renommierten Kunstschule »Royal Academy« in London, wo er fortan als Schüler lernt und ausstellt. Mit dem Erfolg wächst auch sein Ansehen als Künstler, so dass er 1802 als vollständiges Mitglied an der Akademie aufgenommen wird. Fünf Jahre später erhält er dort die Professur für Perspektive.

Angeregt von Lord Byrons Verserzählung »Childe Harold’s Pilgrimage« und kürzlich erschienenen Reiseführern steht der Rhein im Fokus seiner ersten Auslandsreise im Jahr 1817. Sie führt ihn über Belgien und die Niederlanden in die Region des oberen Mittelrheintals. Mithilfe von Farbexperimenten stellt er seinen eigenen, unkonventionellen Eindruck der Realität dar. Vom konservativen Publikum seiner Zeit erntet der Maler durch seine »Auflösung der Wirklichkeit« und die Diffusion der Farben harsche Kritik und Unverständnis. Befürworter hingegen priesen seine Darstellung des Lichts in all seinen Facetten und Schattierungen.

Turner stirbt am 19. Dezember 1851 im Alter von 76 Jahren. Er wird in der Londoner St. Paul’s Cathedral begraben.

Mit 100 Gemälden, fast 200 Ölstudien und mehr als 19.000 Skizzen, Aquarellen und Aufzeichnungen hinterlässt er ein beeindruckendes Lebenswerk.