05.05.2017

Im Oberweseler Pfarrwingert lebt der UNESCO-Gedanke

Mittelrhein. Schülerinnen und Schüler der UNESCO-Projektschule Oberwesel pflanzen gemeinsam mit der Mittelrhein Riesling Charta Reben in den Weinberg unterhalb der Martinskirche in Oberwesel und setzen damit UNESCO-Projekt zur Völkerverständigung im Mittelrheintal fort.

 Nachdem in den beiden vergangenen Jahren im Rahmen internationaler Freiwilligenprojekte des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal die Fläche unterhalb der Oberweseler Martinskriche zunächst entbuscht und anschließend das Drahtgerüst für die Rebpflanzungen vorbereitet worden war, pflanzten am Freitag zehn Schülerinnen und Schülern der Oberweseler Realschule unter fachkundiger Anleitung der Charta-Winzer Reben in den steilen Hang.

 

 „Mittlerweile haben über mehrere Jahre 30 junge Menschen aus der ganzen Welt an diesem Weinberg ehrenamtlich mitgearbeitet. Dass ist gelebte Völkerverständigung und gehört damit auch zu den Kernaufgaben der UNESCO sowie uns als Welterbestätte“, erläutert Landrat Frank Puchtler, Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal. Insofern lag es nahe, den UNESCO-Gedanken auch bei der Rebpflanzung weiterleben zu lassen und die örtliche UNESCO-Projekteschule einzubinden. Schulleiter Christoph Vickus war sofort begeistert, zumal die Schule keinen eigenen Schulweinberg mehr hat. „UNESCO-Projektschulen engagieren sich für eine Kultur des Friedens, für den Schutz der Umwelt und  für eine nachhaltige Entwicklung. Daher passt es wunderbar, als Teil eines völkerübergreifenden Gesamtprojektes hier mitzuarbeiten“, erläutert Vickus.

 

Auch Pastor Manfred Weber von der Pfarrgemeinschaft Oberwesel, Eigentümerin der Fläche, „segnete“ die Rebpflanzung ab und freute sich, dass der steile Hang nun dauerhaft einer sinnvollen und ansehnlichen Nutzung zugeführt ist. Dafür hatte die Pfarrgemeinde eigens Mittel zur Verfügung gestellt und das Anlegen der Querterrassen finanziert.

 

„Wirtschaftlich ist dieser kleine Weinberg in Mitten der Stadt natürlich nicht so interessant, aber für das Stadtbild von Oberwesel und das Umfeld der Martinskirche ist ein gepflegter Zustand dieser Fläche immens wichtig. So können wir mit dem Weinberg einen kleinen Beitrag für unsere Welterbestätte leisten – und das ist der Riesling-Charta ein wichtiges Anliegen“, erläutert Bernhard Praß, Vorsitzender der Riesling-Charta, das Engagement der Winzer-Vereinigung, die die Federführung für das Projekt inne hat.

 

Rund 200 Reben wurden gemeinsam gepflanzt. Dabei konnten die Schüler natürlich auch einiges Wissenswerte über Wachstum und Entwicklung der Reben sowie den Beruf des Winzers lernen. Eine gemeinsame Brotzeit im Weinberg gehörte natürlich auch dazu!  Bis es den ersten Wein aus dem Pfarrwingert geben wird, werden zwar noch einige Jahre ins Land gehen. Ein Wunsch ist aber schon jetzt bei Allen klar: einmal gemeinsam mit allen Beteiligten mit einem Riesling aus dem „Pfarrwingert“ auf die völkerübergreifende Arbeit anzustoßen!

 

Ergänzende Informationen zu Freiwilligen Projekte in Welterbe-Stätten.

2008 wurde die Initiative „World Heritage Volunteers“ im Rahmen des UNESCO World Heritage Education Programme gegründet. Seither haben 3.500 junge Freiwillige in 46 Ländern an Projekten und Workshops an Welterbestätten teilgenommen. Ziel sind unter anderem die verstärkte Einbindung der jungen Generation in Bemühungen um den Schutz und die Bewahrung des Erbes der Menschheit sowie die Vermittlung praktischer Fähigkeiten und Kenntnisse an die Teilnehmenden. Auch deutsche Welterbestätten nehmen regelmäßig an der Initiative teil. Angestoßen durch einen europäischen Erfahrungsaustausch mit anderen Welterbestätten werden seit 2014 Projekte der internationalen Freiwilligenarbeit im Mittelrheintal durchgeführt. Angefangen mit einem internationalen Jugendworkcamp, im Folgejahr unterstützend im Rahmen des UNESCO Young Experts Forums und im vergangenen Jahr als Bestandteil der Initiative „World Heritage Volunteers“ werden junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren dazu ermutigt, sich mit Landschafts- und Denkmalpflege sowie mit der Bedeutung und dem Erhalt von Welterbestätten auseinander zusetzen. In praktischen Arbeitseinsätzen werden Wissen und alte Techniken, wie beispielsweise die traditionelle Bautechnik von Trockenmauern, vermittelt, die letztlich zum Erhalt des Welterbes beitragen. Mit großer Unterstützung von Initiativen, Kommunen und anderen Akteuren aus der Region leisten die international gemischten Gruppen nicht nur einen Anteil zum Erhalt und Weiterentwicklung der Welterbestätte, sondern ermutigen gleichzeitig die Bevölkerung vor Ort sich ebenfalls für ihr Welterbe zu engagieren. Im Jahr 2015 wurde in diesem Rahmen die Fläche unterhalb der Martinskirche in Oberwesel von Brombeeren, Hecken und allerlei Gestrüpp befreit. Für das Landschaftsbild und die Stadtansicht von Oberwesel eine wichtige Maßnahme! Unterstützung erhielten dabei die sogenannten „Volunteers“ bereits von der Mittelrhein Riesling Charta, sowohl personell als auch finanziell mit Mitteln des Charta-Fonds. Im vergangenen Jahr wurden in einem weiteren Freiwilligenprojekt die Vorbereitungen für die Rebpflanzungen vorgenommen. Bei hochsommerlichen Temperaturen setzten die Volunteers Stickel, befestigten die Verankerungen und spannten den Drahtrahmen. Das Projekt mit UNESCO-Projektschule führt die bisherigen Aktivitäten fort